Aktuelle Situation und kurzfristige Aussichten
Die gestiegenen Zinsen haben eine Wirkung auf die Immobilienpreise gezeigt. Die Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern verlief zuletzt eher seitwärts, teils sind die Preise auch leicht gefallen. Von einem Preiseinbruch, wie ihn die Schweiz vor gut 30 Jahren letztmals erlebte, sind wir aber weit entfernt.
Zuletzt sind die Inflationsraten in der Schweiz aber auch in den USA und der EU deutlich gesunken. Die Notenbanken haben ihre Leitzinsen stark angehoben und es zeichnet sich ein baldiges Ende der Leitzinserhöhungen ab. An den Märkten wird per 2024 bereits auf Leitzinssenkungen spekuliert, was auch auf die weitere Preisentwicklung bei Immobilien einen Einfluss haben dürfte. Die Nachfrage nach Wohneigentum ist weiterhin hoch.
Längerfristige Aussichten
Welches sind die Preiserwartungen von Ökonomen und Ökonominnen? Eine aktuelle Umfrage des Economic Experts Survey (EES) des ifo Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) untersuchte die Immobilienpreiserwartungen von Ökonomen und Ökonominnen auf globaler Ebene. Die gestellte Frage war die folgende: «Wie hoch schätzen Sie die jährliche Wachstumsrate des Wertes eines typischen Hauses in Ihrem Land in den nächsten 10 Jahren ein (in %)?» 1’405 Experten haben bei der globalen Umfrage mitgemacht.
Für die kommenden 10 Jahre werden hohe Preisanstiege erwartet. Die nominelle Steigerungsrate solle weltweit im Mittel bei 9% p.a. liegen, allerdings mit starken regionalen Unterschieden. Treffen die erwarteten Preisanstiege tatsächlich ein, so wäre der Preisanstieg deutlich höher, als in den letzten 10 Jahren (zwischen 2012 und 2022 lag dieser bei +5,4% p.a.). Es handelt sich allerdings um nominelle Raten. Die reale Preisentwicklung (nach Abzug der erwarteten Inflation) wird deutlich geringer ausfallen. Die Umfrageteilnehmenden erwarten, dass die Nachfrage weiterhin hoch sein wird und das Angebot nicht wird Schritt halten können. Als Gründe für die starke Nachfrage wurden primär die folgenden genannt: Erhöhung des Lebensstandards, Einkommenserhöhungen, Bevölkerungswachstum und Erhöhung der durchschnittlichen Wohnfläche.
Immobilienpreisentwicklungen Weltregionen
Quelle: ifo Institut/ IWP / Link
In der Schweiz werden die Preise in den kommenden 10 Jahren im Schnitt um 4,8% ansteigen – so die Erwartungen der befragten Ökonomen und Ökonominnen gemäss der Studie. Angesichts der traditionell tiefen Inflationsraten in der Schweiz dürften die Preise somit real betrachtet um rund 3% p.a. ansteigen, was beachtlich ist. Auch hierzulande wäre dies ein stärkerer Preisanstieg als in den vergangenen 10 Jahren. Treffen die Annahmen ein, so werden sich die Wohneigentumspreise hierzulande innert 10 Jahren um rund 60% verteuern.
Fazit: Die aktuelle Seitwärtsbewegung dürfte nur von kurzer Dauer sein. Längerfristig muss weiterhin mit steigenden Eigenheimpreisen gerechnet werden.
Artikel mit freundlicher Genehmigung von Mendo AG